Bibelseminar in Schlageten

vom 4. bis 7. November 2016

Zum diesjährigen Bibelseminar sprach Les Wheeldon über das Thema "Die Gemeinde in der Fülle der Kraft" und führte uns mit diesem Fokus durch die Apostelgeschichte. Les ist kein Unbekannter in den VMF-Kreisen, da er 1979 nach Nkongsamba, Kamerun, ausgesandt wurde und dort 8 Jahre mit seiner Frau Vicki für die Mission tätig war. Zurück in Großbritannien diente er zunächst als Gemeindeleiter und nebenbei als Deutschlehrer in einer christlichen Schule in London. Mittlerweile ist er weltweit auch im Predigt- und Lehrdienst unterwegs. Für einige Jahre leitete er das Market Place Bible Institut in Singapur.

Gleich am ersten Abend spürte man eine freudige Erwartungshaltung zum Thema, denn wer sehnt sich nicht nach der Fülle der Kraft sowohl persönlich als auch für die Gemeinde? Aus den sehr reichhaltigen und ermutigenden Predigten möchte ich eine herauspicken, die mich besonders bewegte. Es ging um die berühmte Ausgießung des Heiligen Geistes in Apostelgeschichte 2. Les teilte seine Auslegung in drei Hauptthemen ein:

  1. Die übernatürlichen Zeichen: Brausen, Feuer und Zungen;
  2. die Predigt des Petrus und
  3. die Langzeitauswirkung des Evangeliums.

1( Zunächst stellte Les die Verbindung zwischen dem alten und neuen Testament her: Das Brausen des göttlichen Windes erinnert an das Einhauchen des Lebens in Adam und an die Wiederbelebung der Totengebeine durch die Weissagung Elias - alles Vorboten der noch herrlicheren Erfüllung der Jünger mit dem Heiligen Geist.
Die Feuerzungen wiederrum brachte er in Zusammenhang mit dem Geschehen auf dem Karmel, wo Elia einen Altar baute (bildlich Glaube und Buße), auf das Gottes Feuer herabfiel, das "Alte" verbrannte und so die Voraussetzung für das Aufleben des Bundes mit dem Volk Israel schaffte. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Erlangung der Heilsgewissheit im neutestamentlichen Sinn: Zunächst muss der "Altar" Glaube und Buße gebaut werden, bevor Gottes Heiliger Geist fallen und die Gotteskindschaft versiegeln kann.
Das Phänomen der Zungenrede zu Pfingsten ist zwar einmalig in seiner praktischen Auswirkung, denn es wurden 120, den Zuhörern bekannte Sprachen gesprochen, aber für uns heute bedeutet es, dass Gottes Geist unseren Dialekt spricht, in anderen Worten, Gott kann mit uns und durch uns prächtig kommunizieren!

2( Die Rede des Petrus war eine absolute Offenbarung: niemand hatte je zuvor eine solche Predigt gehalten. Wäre es nicht wunderbar, wenn die Zuhörer auf Predigten mit “Was sollen wir tun?” reagieren würden? Auf ein solches vollmächtige Wort sollen ja Taten folgen, wie in Apostelgeschichte 2, Umkehr (= Umbesinnen) und Taufe (=Gehorsam). Die Jünger erlebten bis zu der pfingstlichen Ausgießung einen Prozess, während dem sie "entleert" oder, in anderen Worten, von ihrem eigenen Ich befreit wurden. Erst so waren sie bereit, durch den Empfang des Heiligen Geistes in der Neuheit der Auferstehungsleben zu dienen.

3( Die "Langzeitauswirkung" des Pfingstwunders offenbarte sich nicht in erster Linie durch übernatürliche Zeichen, denn das Brausen, die Feuerzungen und 120 Sprachen traten nur kurz auf und hatten keinen Bestand. Es war vor allem die Verwandlung der Jünger durch die ausgegossene Liebe Gottes in Form des Heiligen Geistes, die dazu führte, dass die Gemeinde durch Liebe geprägt wurde. Noch heute ist ein solches Zeugnis das wirkungsvollste Mittel für die Evangelisation. Obwohl, z.B., Paulus im Gegensatz zum Apostel Petrus kein Augenzeuge des Lebens und des Todes Jesu war, war dies für die vollmächtige Verkündigung des vollen Evangeliums überhaupt kein Nachteil. Daher können wir als Gemeinde genauso "in der Fülle der Kraft" in unserer Zeit wirken, denn jede Erweckung fängt mit erweckten Menschen an.

Am Ende seiner Predigt gebrauchte Les eine einprägsame Veranschaulichung aus der südindischen Sprache Telugu: das Wort für Raupe, nämlich Gongalipurugu, bedeutet übersetzt "ein mit einer Decke bedecktes Insekt" und das für Schmetterling, Sitakokachiluka, "ein mit göttlicher Bekleidung ausgestatteter Vogel". Welch eine wunderbare Beschreibung für die Verwandlung des inwendigen Menschen durch den Geist Gottes!

Das Bibelseminar war auch dieses Jahr von einer liebevollen Atmosphäre geprägt, in der schöne und tiefe Gespräche stattfanden und eine herzliche Gemeinschaft gepflegt wurde. Das sonnige Wetter verlockte viele zu kleinen Ausflügen in der Umgebung des Albtals. Ein Lob gebührt hier dem Küchenteam von Manfred Kaiser, das für unser leibliches Wohl gesorgt hat. Das nächste Bibelseminar findet vom 26.-29.10.2017 in Neustadt an der Weinstraße statt und ist bei mir jedenfalls schon im Terminkalender vermerkt!

Sylvia Fisher

Teilnehmer Bibelseminar