Reisebericht Madagaskar 2011

Ehepaar Schwenk

Im letzten Erntefeld haben wir um Fürbitte für unsere Missionsreise vom 21.10.-07.11.2011 nach Madagaskar gebeten. Ziel der Reise war es, das Land, die Menschen und die Missionsarbeit dort noch besser kennen zu lernen. Wir haben deutlich den Ruf GOTTES vernommen, in dieses Land zu gehen. Seitdem bereiten wir uns auf vielfältige Art und Weise, u. a. mit einem Bibelschul- und Sprachstudium, auf diesen Einsatz vor. Hier ist unser Reisebericht.

Heimweh nach dem fremden Land - Liebe für die „Unbekannten“!

Es war alles so anders, als ich es mir vorgestellt hatte, und auch Reinhard hatte dies nach seiner ersten Madagaskar-Reise gesagt. Trotz Bücher und allen Kontakten, die wir „ausgefragt“ hatten, überfielen uns die vielfältigsten Eindrücke: die große Armut der Menschen, die man nur auf den zweiten Blick sieht, der Glaubenshunger und die okkulten Verstrickungen der Madagassen, die Freundlichkeit und das herzliche Lachen trotz aller Not, der Erfindergeist und die Kreativität und überall fehlt es an Nahrung und Material in jeder Hinsicht. Die Madagassen, die wir trafen, haben nicht nur wenig - sie haben fast nichts. Die Kleidung auf dem Leib, eine einfache Schlafgelegenheit, dazu - an guten Tagen - eine Schale roten Reis.

Madagaskar, die viertgrößte Insel der Welt - sprichwörtlich da, „wo der Pfeffer wächst“ - gehört zu den zwölf ärmsten Dritte-Welt-Ländern der Erde. So groß wie Frankreich, Belgien und Luxemburg zusammen, ist die afrikanische Insel trotz ihrer Überschaubarkeit nur schwer zu bereisen, da es an Infrastruktur fehlt. Abgesehen von einer Hand voll Hauptrouten gibt es keine asphaltierten Straßen, nur mit enormen Schlaglöchern versehene Pisten aus roter Erde, die sich durch den Busch oder die abgeholzten Berge ziehen. Das macht evangelistische Einsätze im Landesinneren zu einer logistischen Herausforderung. Aber dort, wo der Name JESUS bekannt gemacht wird, ist Sieg. Wir erleben eine 5-stündige Evangelisation im Dorfgemeinschaftshaus in Ambohidratimo mit, zu der rund 600 Gäste kommen und 200 dem Aufruf, JESUS sein Leben zu geben, folgen. Aber wie überall muss man sehen, was wächst und bleibt.

Kinder

Stabil ist das Land nicht - und auch nicht ungefährlich. Wenn es dunkel wird, zu jeder Jahreszeit gegen 18:00 Uhr, sollte man lieber zu Hause sein, sagen unsere französischen Freunde, die seit 14 Jahren dort Missionare sind. Das Böse zeigt sich im Dunkeln vermehrt, sagt Jean und spricht damit auch über die geistliche Situation des Landes; er ist ein weiser Mann mit viel Erfahrung. Der Einfluss des Ahnenglaubens ist noch stark, und man weiß nie, welche Konsequenzen es hat, wenn man ein „Fadi“, ein Ver- oder Gebot der Ahnen, übertritt. Zum Beispiel wenn man ein krankes Kind mit Hühnereiern nährt, um es zu stärken, der Dorfzauberer es aber verboten hat. Oder wenn man sich unwissentlich auf eine Mauer setzt, die den Ahnen „gehört“, oder, oder, oder … JESUS schützt die, die zu Ihm gehören, und ER möchte Menschen aus diesem Gefängnis der Bindungen befreien. Nicht zuletzt dadurch steht das Land in seiner Entwicklung nach, der Ahnenglaube behindert so viel Gutes und macht auch geistlich dunkel. Das erkennen viele Madagassen nicht, auch die oft nicht, die zu einer Gemeinde gehören und in den Gottesdienst gehen. Besuche beim Zauberer laufen oft parallel. Als wir bei einem Stadtrundgang unsere zwei madagassischen „Führer“, junge Burschen, die sich ein bisschen Geld dazu verdienen wollten, zu einer kalten Cola einladen, gießt der eine den ersten Schluck auf den Boden und verneigt sich. Auf unsere Frage hin, was das bedeute, sagt er, dass er damit die Ahnen ehre, die allgegenwärtig sind, aber er sei auch Christ. Das nehmen wir zum Anlass, mit ihm ein kurzes Gespräch über JESUS zu führen und dass ER die Nummer eins in unserem Leben sein möchte.

Die geistliche Not des Landes besteht nicht darin, dass es keine Angebote von Christen gibt, sondern im Fehlen des Durchbruchs zu JESUS CHRISTUS als einzige Autorität. Darin sind sich auch unsere Glaubensgeschwister von der Heli-Mission, Jugend mit einer Mission, der evangelischen Kirche und der Pfingstgemeinde, die wir dort treffen, einig. Dass dies aber nur für die Hauptstadt und deren Umland gilt, erfahren wir erst mit der Zeit. Überall im Land gibt es völlig unerreichte Dörfer, die noch nie von JESUS gehört haben, und in die man nur über den Luftweg oder auf mühsamen, langen Wegen erreichen kann.

Fam. Schwenk mit Kindern

An einem Nachmittag besuchen wir mit unseren Freunden und deren 4 angenommenen madagassischen Kindern den "Tag" der offenen Tür“ einer Reitschule in der Nähe. Als sich in einem Gespräch herausstellt, dass Reinhard Tierarzt ist, wird er gleich eingespannt, um zwei Pferde zu untersuchen. Wir erleben in dieser und noch einigen anderen Situationen, dass Reinhards Beruf ein „Türöffner“ zu den Menschen dort ist.

In der abendlichen Gebetsstunde in der Gemeinde in Ambovo, in der hauptsächlich Madagassisch gesprochen wird (Französisch ist nur Amtssprache, viele Madagassen können die Sprache nicht), verstehen wir zwar nicht viel vom Inhalt, spüren aber den Geist GOTTES und fühlen uns mit unseren Geschwistern eins.

Auch die Gottesdienste beeindrucken uns. Sie finden in einem der Klassenzimmer statt, in dem sich schon viele eine Zeit lang vor Gottesdienstbeginn einfinden und beten und singen. Dieses geht nahtlos in eine einstündige Gebetszeit im Gottesdienst über. Das einzige „Programm“ besteht aus der Predigt. Das Thema während unserer Zeit dort: „Die Gemeinde ist zu bequem geworden! Wo sind die Neuen, die Bekehrungen?“ Der Pastor ruft zur Umkehr auf, jeder soll sich prüfen. Eine Evangelisation wird anberaumt und jeder soll mutig dazu einladen. Dafür soll auch zu Hause gebetet und gefastet werden. - Erinnert uns das nicht an das, was auch hier in Deutschland nötig wäre?

Zurück in Deutschland hat uns der Alltag wieder. Wir haben jedoch immer noch die Menschen und Landschaften vor Augen, die Klänge im Ohr, die Gerüche in der Nase. Wir haben Heimweh nach Madagaskar. Danke für all Eure Gebete! Eure

Reinhard und Martina Schwenk