Seminar in Herborn–Seelbach 23.3.2013

Prof. Dr. Helge StadelmannThema: "Gesellschaftliche Entwicklungen als Herausforderung für die Mission"
Referent: Prof. Dr. Helge Stadelmann, Rektor der Freien Theologischen Hochschule Gießen
Prof. Dr. Stadelmann als Fachmann für praktische Theologie sprach zu uns über Gemeindebau. Hierbei ließ er die üblichen Themen beiseite und konzentrierte sich auf bestimmte innere und äußere Herausforderungen der Missionsstrategie.

Zwei Aussagen des HERRN JESU sind hier besonders zu berücksichtigen: “ICH werde Meine Gemeinde bauen.” Mt 16,18; “Ihr werdet Meine Zeugen sein.” Apg 1,8

Wie gut, dass es nicht umgekehrt heißt: Ihr sollt Meine Gemeinde bauen und ICH werde euch ein gutes Zeugnis ausstellen! Die Verkündigung des Evangeliums durch die Apostel hatte eine Selbstwirksamkeit. Wir sehen es an Lydia. Sie war eine "Gottesfürchtige" und allein durch das Hören des Evangeliums öffnete GOTT ihr Herz und schenkte ihr Glauben an JESUS. Aus diesem Glauben folgten ihr Bekenntnis zu JESUS und ihre Werke. Zu Petrus sagte der HERR: “Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ICH Meine Gemeinde bauen.” Dabei war Petrus ein wechselhafter Charakter. JESUS meinte deshalb: “Auf das, was ICH aus dir mache, baue ICH Meine Gemeinde.”

Die Apostel gingen bei der Ausbreitung des Evangeliums missionsstrategisch vor. Paulus bewegte die Frage: Wie kommt das Evangelium bestmöglichst unter die Leute? Paulus entschied sich, 1) Griechisch zu schreiben und zu verkündigen; 2) in die Städte zu gehen, wie am Beispiel Ephesus zu sehen ist. Zwei Jahre lang unterwies er die Jünger täglich im Lehrsaal des Tyrannus und von dort wurden die übrigen 6 kleinasiatischen Städte erfasst, die mit Ephesus geografisch einen Ring bilden.

A) äußere Herausforderungen, verdeutlicht an dem demografischen Wandel der Gesellschaft und seinen Folgen. Wir haben es weltweit mit einer Bevölkerungsexplosion zu tun. Dies betrifft vor allem den Osten und die südliche Hemisphäre. In Europa ist es umgekehrt, hier schrumpft die Bevölkerung.

JahrErdbevölkerungDauer
18041 Milliardeseit Adam + Eva
19272 Milliardenin 123 Jahren
19603 Milliardenin 33 Jahren
19744 Milliardenin 14 Jahren
19875 Milliardenin 13 Jahren
19996 Milliardenin 12 Jahren
20117 Milliardenin 12 Jahren
20509,5 Milliardenin 39 Jahren

Zu den 7 Mrd Menschen, die zurzeit die Erde bewohnen, kommen täglich 216.000 dazu – also täglich eine Großstadt. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, nämlich über 4 Milliarden Menschen, lebten im Jahr 2010 allein in den zehn bevölkerungsreichsten Staaten der Erde: in China, Indien, Indonesien, USA, Brasilien, Pakistan, Bangladesch, Nigeria, Russland und Japan. Außerdem werden von den 9,5 Mrd in 2050 etwa 6 Mrd in Großstädten wohnen, weil die Leute vom Land in die Städte ziehen. Damit geht eine religiöse und moralische Verwahrlosung einher. Durch die Anonymität in der Großstadt geht die Sozialkontrolle völlig verloren, die im Dorf das Verhalten des Menschen bestimmt, wo man sich kennt und gegenseitig kontrolliert.

Glücklicherweise ging in der Vergangenheit mit dem Bevölkerungswachstum auch eine entsprechende Zunahme der Weltmission einher. Den Anfang machten die Pietisten mit August Hermann Francke. Heute stehen wir vor der Frage: Wie sollen wir die enorme Aufgabe bewältigen, die in Asien, Afrika und Südamerika in den nächsten Jahrzehnten auf uns zukommt? Wir in Deutschland haben nicht nur die Möglichkeit, Missionare in diese Länder zu entsenden, sondern auch die vielen Immigranten von dort bei uns zu evangelisieren.

Bei uns selbst wächst die Zahl der Alten rapide mit allen damit verbundenen Problemen. Hier sind wir gerufen, uns den geistlichen Herausforderungen zu stellen.

B) Innere Herausforderungen
Worum geht es in der Mission?
Antwort: Dass die Gemeinde JESU gebaut wird.
Unsere sozialdiakonische Tätigkeit hat einen doppelten Effekt:
1) Wir leben die Liebe GOTTES vor – “So sehr hat GOTT die Welt geliebt.”
2) Wir zeigen Präsenz, um wahrgenommen zu werden.

Die Gemeinde ist eine Kontrastgesellschaft zur Welt – “Habt nicht lieb die Welt.”
In Deutschland schlägt das Pendel hin und her zwischen einer organisierten Wohltätigkeit auf Kosten des Evangeliums und einer Abschottung und Zurückziehung der Gläubigen in der Gemeinde. Hier muss die rechte Balance gefunden werden.

Dieter und Rita Schön

Zuhörer

 

Jahreshauptversammlung 2013