"Der ewige Reichtum eines zerfallenden Gefäßes"

Johannes Vogt Im Rahmen der Jahreshauptversammlung der VMF fand traditionell das Mitarbeiter–Seminar am 21.03.2015 in Herborn–Seelbach statt. Das Referat von Pastor Johannes Vogt, Freiburg, stand unter dem Thema: "Der ewige Reichtum eines zerfallenden Gefäßes: Die Botschaft der Bibel verstehen, verinnerlichen und verbreiten..."

In unserer Gesellschaft spielen christliche Werte eine zunehmend geringere Rolle. Die Frage ist: Wie gehen wir damit um? Versuchen wir, dagegen anzugehen oder akzeptieren wir, dass die Gesellschaft ihr wahres Gesicht zeigt? Genau in dieser Situation sollten wir ganz neu definieren, was uns als Gemeinde ausmacht und wie unser Bibelverständnis ist. Johannes zeigte ein Bild, das von verschiedenen Menschen mit 2 verschiedenen Farben wahrgenommen wird, weil das Gehirn das Bild anders interpretiert. Wir interpretieren immer, was wir wahrnehmen. Die Frage in Bezug auf die Bibel ist hierbei: Wie ordnen wir Bibeltexte ein, durch welche Brille werfen wir unsere Blick auf das Verhältnis von CHRISTUS und der Schrift?

Was uns Christen eint:
GOTT redet und wirkt durch die Bibel. In der Beziehung Mensch GOTT ist die Bibel die höchste Instanz und vollkommen. Wie und an wem GOTT wirkt, ist allein Seine Sache, wir haben darauf keinen Einfluss. Wenn wir die Bibel lesen, müssen wir alles an JESUS reflektieren. GOTT wirkt durch die Bibel. Hat die Bibel deswegen selbst göttliche Eigenschaften und Anteil an GOTTES Vollkommenheit? Hierzu ein Beispiel: Ich benutze den Hammer, wirke also durch diesen. Deswegen wird der Hammer aber kein Teil von mir. GOTT offenbart sich in der Bibel, die in verschiedenen Kulturen, Sprachen und Zeiten von Menschen geschrieben wurde und nicht einfach vom Himmel gefallen ist (auch wenn GOTT natürlich Seine Finger im Spiel hatte). Solange GOTTES GEIST nicht durch die Bibel wirkt, hat sie keine göttliche Autorität. Trotzdem dürfen wir sie nicht relativieren! Nur JESUS konnte die heilige Schrift des alten Testaments relativieren, weil ER, von GOTT kommend, Autorität dazu hatte. (Mk 7: JESUS erklärt die Tiere für rein)

Zu einer Selbstreflektion des eigenen Bibelverständnisses kann man sich auf einer Skala von 4–1 (stimme diesem Punkt: –ganz zu, –überwiegend zu, –überwiegend nicht zu, –gar nicht zu) zu den folgenden Punkten positionieren:

  1. Die Bibel ist verbal inspiriert. (GOTT hat die Schreiber bis in die genaue Wahl ihrer Worte hinein geleitet. Der eigentliche Autor der Bibel ist GOTT.)
  2. Die Bibel ist GOTTES Wort. Das heißt, die Begriffe «Bibel» und «GOTTES Wort» bedeuten das Gleiche, sie sind austauschbar.
  3. Die Bibel ist GOTTES entscheidende Offenbarung und damit die entscheidende Grundlage des christlichen Glaubens.
  4. Wie GOTT hat auch die Bibel absolute Autorität. Ihre Autorität ist GOTTES Autorität. Was die Bibel sagt, das sagt GOTT.
  5. In der Bibel gibt es keine Fehler und Widersprüche. Das gilt auch für ihre geschichtlichen, geographischen, biologischen, medizinischen und astronomischen Aussagen. In der Bibel kann es keine Fehler geben, weil GOTT keine Fehler macht. GOTT ist vollkommen, also ist es Sein Wort auch.

Zu 1.: Die Bibel ist nicht von GOTT wortwörtlich diktiert. Menschen haben sie (mit ihren persönlichen Hintergründen) geschrieben.

Zu 2.: Die Bezeichnung GOTTES Wort hat verschiedene Bedeutungen (nicht nur Heilige Schrift), welche zu trennen sind.

Zu 3.: JESUS ist die entscheidende Offenbarung und entscheidende Grundlage des christlichen Glaubens.

Zu 4: Die Bibel hat nur Autorität, wenn GOTT durch sie handelt.

Zu 5.: Es finden sich in Randbegebenheiten durchaus Widersprüche (z.B. Bekehrung des Paulus).

Der griechische Teil der Bibel unterscheidet zwischen "glauben" und "glauben an". "Glauben an" findet sich dabei NIE in einem anderen Zusammenhang als mit GOTT. Es heißt nie: “Ich glaube AN die Schrift.” Die Menschen glaubten auch nicht "AN Johannes den Täufer", sondern "sie glaubten Johannes dem Täufer", also vertrauten sie auf die Wahrheit der Botschaft, die Johannes weitergab. So glauben auch wir DER Bibel und nicht AN die Bibel. Die Frage ist jetzt: Wie vermittle ich das Evangelium in einer Zeit, in der christliche Werte irrelevant geworden sind? In Apostelgeschichte 8,26–28 wird von einem Eunuchen (Kämmerer) gesprochen, dem der Zutritt zum Tempel in Jerusalem verwehrt wurde. Er wollte diesem GOTT der Juden begegnen und hat die Tür vor der Nase zugeschlagen bekommen. Er kaufte sich daher eine Schriftrolle, um wenigstens etwas von GOTT zu lesen. Allerdings versteht er nicht, was er liest und fragt sich, von wem denn die Rede in der Bibelstelle ist. Philippus kann ihm erklären, was es bedeutet, an JESUS zu glauben und vor allen Dingen, dass JEDER Mensch zu GOTT durch JESUS kommen kann, auch er! Diese Botschaft sollten auch wir weitergeben.

Matthias Mahr und Tobias Klauke

 

Jahreshauptversammlung 2015